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Welzheim - ein Kastellort am obergermanischen Limes
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von Richard Klotz
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Der Bau des Limes erstreckte sich von zirka 150 bis zum Ende des zweiten oder Anfang des dritten Jahrhunderts. Im Endausbau bestand der obergermanische Limes aus Palisade, Graben, Wall, Postenweg und
Steintürmen. Am Limes entlang waren in über 60 größeren Kastellen mit einer Anzahl Kleinkastellen Hilfstruppen stationiert.
Die Forschung zeigt heute ein neues Bild über die Vorgänge in jener Zeit (260 bis 270). Nicht ein gewaltiger Sturm von Germanen auf die Grenze brachte den obergermanisch-rätischen Limes zu Fall, sondern
die innerrömischen Machtkämpfe zwischen Gallienus und Postumus zwangen die Römer zur Aufgabe der Grenzkastelle. In diesen Wirren, verbunden mit einem Machtvakuum, drangen Heerführer verschiedener
germanischer Stämme aus Böhmen, dem Thüringer Becken, dem Havelland und aus dem Gebiet der unteren Elbe mit ihren Gefolgschaften in das rechtsrheinische Gebiet Obergermaniens ein. Hier, im ehemaligen
Obergermanien, bildeten sich aus dem Gemenge germanischer Gruppen die Alamannen unter einer Reihe von Gaukönigen.
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Das Ostkastell von Welzheim
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Eingehend untersuchte die von Theodor Mommsen gegründete Reichs-Limeskommission 1894 das 1,63 Hektar große Kastell (136 x 123 Meter). Dabei wurden die 1,1 bis 1,4 Meter starke Umfassungsmauer, die
Grundmauer eines etwa 14 Meter langen Rechteckgebäudes (wohl ein Getreidespeicher) und eine Badeanlage ausgegraben.
1976/77 und 1981 untersuchte die Archäologische Denkmalpflege des Landesdenkmalamtes unter Leitung von Dr. Planck den südwestlichen Teil des Kastells. Bei den Ausgrabungen kam neben Gebrauchskeramik auch
das feine tönerne Tafelgeschirr, die Terra-Sigillata mit der charakteristischen roten Färbung zutage.
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Sensationelle Funde bargen zwei Brunnen an der Lagerringstraße. Aus einem dieser Brunnen wurde ein hervorragender Fund zutage gefördert- etwa 100, davon 36 ordentlich erhaltene römische Lederschuhe, Pantoffeln und
Sandalen, die zu Beginn des dritten Jahrhunderts nach Christus Mode waren.
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Das Bad im südöstlichen Teil des Kastells wurde erst nach der Aufgabe der militärischen Anlage für die Bewohner des Lagerdorfes gebaut. In der Feuerung der Badeanlage fand sich 1894 ein Altar, den der Centurio
(Offizier) der 8. Legion, Marcus Octavius Severus, zwischen 198 und 211 “für das Wohl der kaiserlichen Herren”, des Kaisers Septimius Severus (193 bis 211) und seiner beiden Söhne Caracalla und Geta,
gestiftet hatte. Der Centurio war in jener Zeit Kommandant der im Ostkastell stationierten Brittonen und Kundschafter.
1980 erfolgte der Aufbau des Westtores in voller Größe und einer Teilrekonstruktion der Kastellmauer, des Wehrganges, eines Zwischenturmes, des südwestlichen Eckturmes und der Hälfte der Südmauer mit dem Südtor. Auf
dem Gelände des Kastells sind Abgüsse von Gottheiten und Inschriften vom Odenwaldlimes und vom obergermanischen Limes aufgestellt.
Etwa 100 Meter westlich der Nordwestecke des Ostkastells lag der römische Friedhof, der vor dem Bau der Justinus-Kerner-Halle ausgegraben wurde. Dabei kamen 161 Brandgräber zum Vorschein. Einen halben Kilometer
nördlich von Welzheim liegt, 40 Meter hinter dem Limesgraben, das 1974 ausgegrabene und teilrekonstruierte Kleinkastell Rötelsee.
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Dem Gott Jupiter geweiht war der Altar des Centurio Marcus Octavius Severus “für das Wohl der kaiserlichen Herren”.
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Das Westkastell von Welzheim
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Oberförster P. Schultz fand 1895 durch Beobachtung der Flureinteilung und dank zufälliger Funde das Westkastell. Die 236 Meter lange und 181 Meter breite Anlage bedeckte eine Fläche von 4,3 Hektar.
Im Westkastell lag ab zirka 150 nach Christus die ala I Scubulorum - eine 500 Mann starke Reitereinheit unter dem Kommando eines aus dem ritterlichen Adel stammenden Präfekten. Das Westkastell ist heute
weitgehend überbaut.
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Viele Wege führen nach Welzheim
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